Geschichte:Dem heutigen Haus Bollheim sieht man seine einstige Bedeutung nicht mehr an, sind doch nur noch die Vorgebäude erhalten und eine lange Eichenallee, die nirgendwohin mehr führt. Moderne Gebäude verstellen die Wirkung eines planvoll angelegten Barockensembles, dessen Höhepunkt, das Schloß, 1882 abgerissen worden ist. Bollheimgeht auf ein Prümer Lehen von 855 zurück. An der heutigen Stelle wurde im 13. oder 14. Jh. eine Burg gegründet, nach der sich die Herren von Bollheim benannten. Sie traten 1331 als Jülicher Gefolgsleute auf und beraubten mit Vorliebe Kölner Kaufleute. Ihnen folgten die von Vlatten, die sogar eine Fehde mit der Stadt Köln vom Zaune brachen, in deren Verlauf die Burg 1391 zerstört wurde.
1416 hatte Rolman von Geisbusch Bollheim erworben, Amtmann zu Heimbach und Zülpich, Gerichtsherr zu Bollheim, ab 1440 auch Herr zu Zievel. Er trug die Unterherrschaft Bollheim von Jülich, Kurköln und Kurtrier gleichzeitig zu Lehen. 1477 erhielten die von Hompesch Burg und Herrschaft durch Heirat und residierten hier bis zur Enteignung durch die Franzosen 1794; danach kauften sie den Besitz zurück und veräußerten ihn 1843 an den Herzog von Arenberg. Heute ist Gut Bollheim ein anthroposophisch orientierter landwirtschaftlicher Betrieb. Die Freiherren, seit 1822 Grafen von Hompesch stellten bedeutende Beamte, Marschälle, Generäle und Minister in Köln, Jülich, Kurpfalz, Bayern, England und Preußen, sogar einen Großmeister des Malteserordens und hatten ein entsprechend prächtiges Schloss.
Die versumpften Wassergräben lassen noch eine ehemals zweiteilige Wasserburg ahnen, deren Herrenhaus im Nordosten des Gutshofes gelegen hat. Es war eine große Vierflügelanlage mit einem mächtigen Bergfried an der Südecke, der schon 1391 bestand und erst beim Umbau um 1740 verschwunden ist. Seit 1684 war die mittelalterliche Burg zu einem barocken Schloss umgebaut worden, das bis 1742 eine sehr regelmäßige Erscheinung mit Mansarddächern, vier schlanken Rundtürmen, einem Mittelrisalit mit Wappengiebel und Freitreppe erhielt. Geschnitzte Türen als einziger Rest eines der schönsten Schlösser der Region finden sich nur noch in der Schlosskirche zu Schleiden, die auch einmal den Herzögen von Arenberg gehört hat.
Erhalten sind nur die Vorgebäude in der Hauptzufahrtsachse, die 1740-42 anstelle der türmebewehrten mittelalterlichen Vorburg entstanden. Sie sind symmetrisch und sorgfältig abgestuft auf das Schloss hin ausgerichtet, vor dem sie einen trichterförmigen Platz bilden. Diese sehr durchdachte Anordnung verengt das Sichtfeld zum Schloss und ergibt so eine barocke Bedeutungsperspektive, die von dem banalen kleinen Neubau auf der Schlossinsel völlig verdorben wird. Der barocke Gutshof schließt sich südöstlich an.
Von Dr. Harald Herzog, Rheinisches Amt für Denkmalpflege
(Auszug aus:
Die Euskirchener Burgenrunde - Radeln zwischen Erft und Eifel)
Ortslage:Oberelvenich, Stadt Zülpich, Kreis Euskirchen
Anfahrt mit dem Rad:Die "Euskirchener Burgenrunde" (Etappe 2) führt direkt an Burg Bollheim vorbei.
Anfahrt mit dem Auto:
Literatur:
Links:
Auf dem Gelände befindet sich ein Bio-Laden, der - wenn geöffnet - einen kleinen Pausenimbiß anbietet.
Bitte respektieren Sie die Privatsphäre der Bewohner und der angebrachten Hinweisschilder.