Geschichte:Aus einer merowingischen Siedlung mit Kirche entstand Euskirchen, was soviel heißt wie Kirche in der Aue. 870 erhält König Ludwig der Deutsche "Augstchirche" bei der Teilung Lothringens. Nach der Verschmelzung mit dem Ort Disternich war Euskirchen vom 11. bis 13. Jh. mit Wall und Graben befestigt, und die Herren von Monschau als Lehensherren erhoben 1302 den Ort zur Stadt. Seit 1355 ist Euskirchen im Besitz der Markgrafen von Jülich, die wohl sofort nach ihrer Erhebung in den Herzogsstand 1356 die steinerne Mauer erbauen ließen und den Vorort Rüdesheim gleich mit einbezogen.
Die ursprünglich über 7 m hohe und durchschnittlich knapp 1 m dicke Bruchsteinmauer umgab den mittelalterlichen Stadtkern annähernd eiförmig - mit dem dicken Ende an der Südwestseite. Die heutigen "Wall"-Straßen kennzeichnen genau den Verlauf der Straßen an den Innenseiten der alten Stadtmauer, die über weite Strecken sichtbar erhalten ist. Diese Straßen dienten im Verteidigungsfalle dem schnellen Zugang zu den Mauern und der Versorgung der Verteidiger, durften also nicht bebaut werden. Im Jahre 1702 zerstörten französische Truppen die Stadmauer am Kessenicher Tor auf einer Länge von gut 100 m, und danach begann der Anbau kleiner Wohnhäuser an die Innenseite der Stadtmauer. Diese preiswerten Häuser hatten keinen Garten und benutzten die Mauer als bereits vorhandene vierte Wand, womit die Stadtbefestigung ihren Sinn verlor.
Bis heute wird die Stadtmauer noch gerne mit allen möglichen Durchbrüchen versehen, insbesondere wenn sie wie am Neutorwall die rückseitige Erschließung der auf der Außenseite, der Wilhelmstraße, gelegenen Geschäftshäuser stört. Im 19. Jh. wurden die vier Tore, das Disternicher, Kessenicher, Rüdesheimer und Neutor abgebrochen, 1880 der Annaturm, um an diesen Stellen dem Verkehr besseren Zugang zu verschaffen, vor allem aber die vermeintlich finstere mittelalterliche Erscheinung aufzuhellen.
Der eindrucksvollste Bau im Zuge der mittelalterlichen Stadtmauer ist sicher der Dicke Turm westlich der Martinskirche, ein Rundturm mit abgeflachter Innenseite. Innen gewölbt, mit Kamin und Abort, bot der Turm den Wächtern aus der Bürgerschaft, die auch in Friedenszeiten zur Wache verpflichtet waren, einen erträglichen Aufenthalt zwischen ihren Patrouillengängen auf dem Wehrgang. Oben trugen alle Türme eine Wehrplattform und ein Dach, das auf dem Dicken Turm und auf dem Turm am Disternicher Torwall jüngst wiederhergestellt wurde. Nur in wenigen Bereichen sind Mauer und Grabenzone von außen noch wahrzunehmen, so vor dem Disternicher Torwall. Ein Rundgang ist mit einigen Schwierigkeiten möglich, und man wird überall feststellen, dass die Stadtmauer des 14. Jh. auf dem Wall des 13. Jh. aufbaut.
Von Dr. Harald Herzog, Rheinisches Amt für Denkmalpflege
(Auszug aus:
Die Euskirchener Burgenrunde - Radeln zwischen Erft und Eifel)
Ortslage:Stadt Euskirchen, Kreis Euskirchen
Anfahrt mit dem Rad:Die "Wasserburgen-Route" (Tour 7) wie auch die "Euskirchener Burgenrunde" (Etappe 1) führen direkt durch Euskirchen.
Anfahrt mit dem Auto:
Literatur:
Links: http://www.euskirchen.de
Bitte respektieren Sie die Privatsphäre der Bewohner und der angebrachten Hinweisschilder.