hier anklicken
Zum Burgen-Archiv

Zum
Burgen-Archiv
der Rheinischen
Bucht
Burg Veynau
hier anklicken
Zum Euskirchener Burgen-Archiv

Zurück
zum
Euskirchener
Burgen-Archiv
Burg Veyvau

Geschichte:
Mitten im engsten Stück des Veybachtales, vor den Toren Euskirchens, liegt eindrucksvoll und beherrschend die Burg Veynau, die hier einen alten und wichtigen Verkehrsweg von der Eifel ins Flachland blockiert. Sie ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Wasserburgen des Rheinlandes, was man nach ihrer jüngst erfolgten Restaurierung auch wieder erkennen kann, nachdem sie jahrzehntelang dem Verfall preisgegeben war.

Logo Deutscher Mittelalterring

Sie wurde 1340 auf Veranlassung des Markgrafen von Jülich gegründet, der nicht nur die alte Handelsstraße unter seine Aufsicht bekommen wollte, sondern vor allem den Burgenring um Euskirchen zu schließen gedachte, das zwischen Köln und Jülich umstritten war. Des Markgrafen mächtigster Vasall, der Truchseß Dietrich Schinnemann von Aldenhoven aus Kreuzau bei Düren, erhielt 1340 die von ihm neu erbaute Burg zu Lehen, die er zur stärksten Festung in weitem Umkreis gemacht hatte.

Logo Deutscher Burgenring

Da er aber nicht nur einem Herrn diente und sich mit anderen Rittern 1355 in eine Fehde gegen den Markgrafen einließ, der gerade die Stadt Euskirchen geerbt hatte und somit die Veynau nicht mehr brauchte, wurde im folgenden Krieg die Veynau schwer zerstört. Dietrich oder sein Sohn, nunmehr folgsame Lehensleute von Jülich, bauten die Burg wieder auf, freilich anders und kleiner. Dietrichs Schwiegersohn Balduin von Monyardin empfing die Veynau 1381 als Lehen, verweigerte sich aber 1422 dem neuen Landesherrn und Erben von Jülich, Herzog Adolf von Berg, der daraufhin die Veynau eroberte und das Lehen einzog. Erst 1429 erhielten Balduins Neffen das Lehen zurück, 1447 war Heinrich von Geisbusch Alleinbesitzer der Burgen Veynau, Bollheim und Zievel. Seine Witwe verkaufte die Burg Veynau mit dem anhängenden Erbhofmeisteramt um 1451 an Dietrich von Bourscheidt, dessen Wappen wir über dem äußeren Tor finden. 1532 wurde das Bourscheidtsche Erbe unter Wilhelm von Quadt und Wilhelm von Harff geteilt, welch letztere seitdem das Erbhofmeisteramt innehatten.

Logo Deutscher Mittelalterring

Die Besitzer der Veynau waren nun wieder ganz loyale Jülicher Lehensleute, verteidigten während der Jülicher Fehde die Burg mit Erfolg gegen kaiserliche Truppen und konnten danach dem Herzog Wilhelm dem Reichen sogar noch vier schwere Geschütze aus der Veynau leihen. 1550 erschien Kaspar von Lüning im Besitz, dessen Tochter ihn an ihren Mann Karl von Baexen brachte. Es gab Schäden im Dreißigjährigen Krieg, aber erst die Franzosen vermochten 1708 die Wehrhaftigkeit der Veynau zu zerstören. Vorburgen und Türme wurden in Brand gesetzt, Wehrmauern teilweise eingerissen. Durch Heirat kam 1722 der kurpfälzische Generalfeldmarschall Max von Martial an die Veynau, die er wohnlich ausbauen ließ, nach ihm 1743 sein Schwiegersohn Joseph Freiherr Beissel von Gymnich, über seine Tochter der Hofrat Anton von Klein. Nach dem Ende des Herzogtums Jülich fielen auch für die Veynau alle feudalen Privilegien weg, und die Besitzer wechselten schnell, bis 1843 der Herzog von Aremberg Land und Burg erwarb. Seine Nachkommen verkauften alles an die Familie Bamberg, von denen Prof.Dr. Harald Freiherr von Elmendorff die Hauptburg erwarb, um sie mithilfe des Landes Nordrhein-Westfalen gründlich zu restaurieren. Heute ist sie an einen renommierten westdeutschen Zeitungsverlag vermietet.

Logo Deutscher Burgenring

Die weitläufige Burganlage besteht aus der Hauptburg mit Palas und zwei Ecktürmen, einer inneren Vorburg mit zwei runden Schalentürmen und einer sehr großen äußeren Vorburg. Diese war bis 1355 doppelt so groß, weil der Bauherr wohl die Absicht hatte, hier eine kleine Siedlung einzurichten mit Blick auf eine eigene Herrschaft. Um dieses nachhaltig zu verhindern, durfte sie nur verkleinert wiederaufgebaut werden; von der nordöstlichen Hälfte sind nur noch Turmreste im Gelände zu sehen. Der Torturm aus dem späten 15. Jh. ersetzt den ursprünglichen Zugang an der Südecke, der später zur Burgmühle umgebaut wurde. Nördlich an der äußeren Vorburg vorbei gelangt man zur Hauptburginsel, die wohl seit dem 15. Jh. die ehemalige innere Vorburg integriert. Vom Rundbogenportal des 16. Jh. gehen die Wehrmauern der Gründungszeit zu den ebenso alten Schalentürmen auf den Ecken; das einzig erhaltene südliche Vorburggebäude mit seinen schönen Gewölben ist etwas jünger. Der Graben zur eigentlichen Hauptburg ist nur noch an einer Geländesenke zu erkennen, alle ursprünglichen Zwischenmauern sind zerfallen.

Logo Deutscher Mittelalterring

An der Südwestseite liegt der gewaltige Palas, dessen fünf- bzw. sechsgeschossige Ecktürme noch ganz dem 14. Jh. entstammen und anfangs von jeweils einem eigenen Palas in Ostrichtung begleitet wurden, deren Maueransätze erhalten blieben. Die beide Türme verbindende hohe Wehrmauer wurde nach der Zerstörung von 1355 zur Außenwand des einen neuen Palas, der im 15., 16. und 18. Jh. umgebaut wurde. Den zweiten Palas, der für den Aufenthalt des Landesherrn vorgesehen war, brauchte man in der zur einfachen Ritterburg herabgestuften Veynau nicht mehr. Die vielfältigen Fensterformen, vor allem aber die großzügigen Räume des Inneren mit ihren interessanten Details lassen den Ursprung im 14. Jh. ebenso gut erkennen wie zahlreiche Umbauten späterer Zeiten. Aber alle Zeiten überdauerte die bedeutungsträchtige Erscheinung der Feldseite, die Macht und Wehrhaftigkeit, Selbstbewusstsein und tatsächliche Stärke ausstrahlt.

Von Dr. Harald Herzog, Rheinisches Amt für Denkmalpflege
(Auszug aus: Die Euskirchener Burgenrunde - Radeln zwischen Erft und Eifel)

Logo Deutscher Burgenring

Ortslage:
Wißkirchen, Stadt Euskirchen, Kreis Euskirchen

Anfahrt mit dem Rad:
Querverbindungen nach Euskirchen auf der "Wasserburgen-Route" (Tour 6) wie auch der "Euskirchener Burgenrunde" (Etappe 5) führen am Burggelände vorbei. Von Satzvey kommend zweigt kurz vor Erreichen der Bundesstraße B 266 rechts die Zufahrt zum Burggelände ab.

Anfahrt mit dem Auto:
BAB A 1 - Ausfahrt Euskirchen-Wißkirchen, Richtung Mechernich, nach 500 m links dem Hinweisschild folgen.

Literatur:

Links:

Die Burg ist in Privatbesitz und kann innen nicht besichtigt werden. Ein Zugang von außen aber ist möglich.

Bitte respektieren Sie die Privatsphäre der Bewohner und die angebrachten Hinweisschilder.

HomeLogo Deutscher Mittelalterring
Logo Deutscher Burgenring
Logo Deutscher Mittelalterring
Top