Geschichte:Nur wenige alte Adelssitze der Region tragen und verdienen die Bezeichnung Schloss in dem Maße wie das zu Wachendorf, das in vornehmer Distanz zum Dorf am Rande eines großen Parkes liegt und mit einer eindrucksvollen Allee weit ins Land ausgreift. Doch zeigen sich in den Resten von Wassergräben und verfallenen Geschützbastionen Spuren einer großen und ungemütlichen Vergangenheit.
Auch Schloss Wachendorf begann als ritterliche Burg, erstmals genannt im Jahre 1190 als Sitz eines adligen Vogtes über kirchlichen Grundbesitz. Otto aus dem 1287 auftretenden Ortsadelsgeschlecht verkaufte seine jülichsche Unterherrschaft samt Burg 1434 an Emmerich Brent von Vernich, dem Werner von Hompesch als Besitzer folgte. Werners Enkelin Cecilie brachte Wachendorf 1514 ihrem Mann Johann von Palandt zu, der nebenbei noch die jülichschen Unterherrschaften Wildenburg, Laurenzberg, Frechen und Bachem zu Lehen trug, außerdem Landdrost von Jülich und Amtmann von Wilhelmstein war. 1533 erbte sein ältester Sohn Wachendorf.
Die Palandts gehörten zu den ersten Adressen der Jülicher Ritterschaft, und daran konnten auch diverse Erbteilungen nichts ändern, nach denen die Wachendorfer Linie noch zusätzlich die Unterherrschaft Wildenburg bekam. Hier hatte Marsilius III. von Palandt 1628 jene berüchtigten Hexenprozesse durchgeführt, zu denen er gar nicht berechtigt war und die dennoch sechzehn Menschen das Leben kosteten. Er war Amtmann von Düren und Nörvenich und wurde zum Reichsfreiherrn erhoben. Seine Burg Wachendorf war im Dreißigjährigen Krieg von hessischen Truppen unter General Rabenhaupt von Soucha besetzt und wurde schwer befestigt. Marsilius hinterließ 1669 vier Töchter, was wiederum zur Teilung des Besitzes führte. 1721 erbte Edmund von Hatzfeld einen Teil und kaufte den Rest, wonach er die neuen Wirtschaftsgebäude errichtete. Ebenfalls durch Kauf fiel Wachendorf 1768 an die Freifrau von Hallberg, 1780 an den bayerischen Generalmajor Adolph Freiherr von Ritz, der die gotische Burg bis auf einen kleinen Teil abriss und ein kleines Barockschloss erbauen ließ.
Über den Euskirchener Landrat Johann Peter Schroeder kamen Land und Schloss 1877 an Friedrich Freiherrn von Solemacher-Antweiler, Schlosshauptmann von Brühl, königlich preußischen Kammerherrn und Mitglied des preußischen Herrenhauses, das als engstes Beratergremium des Königs fungierte. Er baute das kleine Barockschloß mit den Resten des Bergfrieds in das große neue Schloss um, das sein Sohn 1896 an Dr. Paul von Mallinckrodt veräußerte. Dessen Urenkel Dr. Herbert Müller von Blumencron ist der heutige Besitzer und hatte das gemessen am Landbesitz mittlerweile völlig überdimensionierte Gebäude bis 1999 an eine buddhistische Akademie vermietet. Seit dem 1.1.2000 ist Schloß Wachendorf an eine Firma verpachtet, die das Gebäude umfangreich renoviert und restauriert. Entstanden ist mittlerweile ein offenes Veranstaltungs- und Seminarhaus mit kleinem Pensionsbetrieb und angeschlossem Weinlokal im Gewölbekeller.
Von Dr. Harald Herzog, Rheinisches Amt für Denkmalpflege
(Auszug aus:
Die Euskirchener Burgenrunde - Radeln zwischen Erft und Eifel)
Ortslage:Wachendorf, Stadt Mechernich, Kreis Euskirchen
Anfahrt mit dem Rad:Die "Wasserburgen-Route" (Tour 6) wie auch die "Euskirchener Burgenrunde" (Etappe 3) führen direkt am Burggelände vorbei.
Anfahrt mit dem Auto:
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