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Burg Zülpich

Geschichte:
Das heute so unscheinbare Zülpich besitzt immerhin, neben Zoens, Bad Münstereifel und Altenahr, eine von vier rundum erhaltenen Stadtmauern des Mittelalters im Rheinland und dazu eine Landesburg in der Form des Kastells, das zu den Prototypen mittelalterlichen Burgenbaues gehört. Nur wenige solcher hochadeligen Burgen mit entsprechend hoher Bedeutung sind erhalten, wobei die Burg von Zülpich den Anspruch auf die ältesten Fundamente erheben kann. Schon in römischer Zeit stand hier ein "castrum", von dem noch ein Rundturmfundament bekannt ist. Die Franken machten Zülpich zum Hauptort des Zülpichgaues und benutzten die römische Burg ebenso weiter wie die Merowingerkönige, die darin ihre Königspfalz eingerichtet hatten. Nach der Zerstörung durch die Normannen im Jahre 881 übernahmen die Pfalzgrafen von Aachen die Macht und bauten im 10. Jh. eine neue Burg.

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Seit dem 11. Jh. waren Burg und Stadt überwiegend im Besitz des Erzbischofs und Kurfürsten von Köln, der ab 1255 beide neu befestigen ließ. 1299 musste der Erzbischof Zülpich an den Jülicher Grafen verpfänden, woraufhin dieser die Burg abzureißen befahl. Um 1350 baute der Jülicher die Burg wieder auf, 1369 löste der Erzbischof das Pfand wieder ein und brach die Burg erneut ab, um das bis heute bestehende Kastell zu errichten. Das war ein reines Machtspiel, denn immer war die Burg nur als Symbol von Herrschaft und Stärke gedacht und niemals als Residenz des Landesherrn. So saß hier, seit 1278 nachgewiesen, nur der jeweilige Amtmann, der auch das im großen Turm untergebrachte Gefängnis unterhielt. Mit dem Ende der Kämpfe zwischen Köln und Jülich verloren Burg und Stadt ihre strategische Bedeutung und blieben im Zustand des 14. Jh. unverändert erhalten, bis 1689 die Franzosen die Burg in Brand steckten.

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Die nutzlose Burgruine überließ der Erzbischof Clemens August 1741 seinem Zülpicher Kellner und Schultheiß Joseph Eberhard Wachendorf, der sich darin ein Wohnhaus baute. Über seine Frau Margarete Wachendorf erhielt 1847 Heinrich Xaver Sieger die Zülpicher Burg, in der er neben seinem Wohnsitz eine Schnapsbrennerei einrichtete. Im Zweiten Weltkrieg erlitten Burg und Stadtbefestigung schwere Schäden, die nur teilweise behoben wurden. 1980 verkaufte die Familie Sieger Burg und Brennerei an die Maywerke, die den Betrieb stilllegten. Seitdem ist die Burg ungenutzt und verfällt.

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Die Geschichte Zülpichs führte dazu, dass die Ende des 14. Jh. fertiggestellte Burg als nüchterne Wehranlage ohne repräsentative oder komfortable Merkmale gestaltet war. Da sie für nichts anderes zu gebrauchen war, blieben ihre Wehrbauten im Wesentlichen unverändert erhalten. Das viertürmige Backsteinkastell besteht praktisch nur noch aus den hohen Wehrmauern um einen mit jüngeren Bauten zugestellten Innenhof und aus einem viereckigen sowie drei runden Ecktürmen, deren westlicher als Bergfried zu definieren ist. Der Viereckturm ist der einzige Rest einer älteren Burg. Alle Türme waren bewohnbar, enthielten Kamine, Aborte und Innentreppen und waren im Kriegsfalle separat zu verteidigen.

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Wie die gotischen Querstockfenster und Reste der Aborterker beweisen, waren von innen an die Wehrmauern leichter gebaute Wohntrakte angelehnt, die alle verschwunden sind. Mauern und Türme waren umlaufend von Zinnenkränzen bekrönt, von denen aus eine gezielte Vorfeldverteidigung möglich war. Der Südturm wurde im 19. Jh. um zwei Stockwerke gekürzt; nach dem letzten Krieg baute man anstelle des zerstörten barocken Wohnhauses einfache Fabrikgebäude. Die Eingangsfront fällt durch ihr schönes Zugbrückenportal auf, dessen Wappen wohl schon durch die Franzosen 1794 abgeschlagen worden sind. Störend wirken hier die modernen An- und Vorbauten, die dem Rand dieser bedeutenden Burg so gar nicht gerecht werden.

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Die übrige Zülpicher Stadtbefestigung, deren stärkster Teil die Burg war, hat bis auf einige moderne Durchbrüche fast den gesamten Mauerverlauf erhalten, der ab 1278 durch Erzbischof Siegfried von Westerburg angelegt wurde. Aus dieser Phase stammen die Unterbauten der Tortürme und die Fundamente der Mauern, alles aus Bruchstein. Die Fertigstellung Ende des 14. Jh. erfolgte in Backsteintechnik. Dazu gehören vier Torburgen, ein viereckiger und drei runde Schalentürme, die zur Stadtseite immer offen waren. Der gesamten Mauer fehlen Zinnenkranz und Wehrgänge, die zum Teil auf Arkadenbögen aufsetzten (Reste deutlich zu sehen am Gottsberg). Alle Tore waren als Doppeltore mit Zwinger und Vortor ausgeführt und sind bis auf das Münstertor auch so erhalten. Der Bruchsteinturm des westlichen Weiertores ist 1945 zerstört worden und blieb Ruine.

Von Dr. Harald Herzog, Rheinisches Amt für Denkmalpflege
(Auszug aus: Die Euskirchener Burgenrunde - Radeln zwischen Erft und Eifel)

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Ortslage:
Stadt Zülpich, Kreis Euskirchen

Anfahrt mit dem Rad:
Sowohl "Wasserburgen-Route" (Tour 7) wie auch "Euskirchener Burgenrunde" (Etappe 6) und "Dürener Burgenrunde" (Etappe 2) führen direkt durch Zülpich.

Anfahrt mit dem Auto:
BAB A 1 - Ausfahrt Zülpich und dann der Beschilderung folgend.

Literatur:

Links:

Bitte respektieren Sie die Privatsphäre der Bewohner und der angebrachten Hinweisschilder.

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